Wo das Web stattfindet – Heute und in Zukunft

17.03.2013:

Oft wird das Internet und das Web in einen Topf geworfen.

Grundsätzlich ist das (World Wide) Web, der Teil vom Internet, welcher mit www beginnt. Also Internetseiten welche man mittels einem Webbrowser konsumiert. Und dann gibt es noch native Apps, die direkt mit ihrem Service interagieren, ohne Browser.

Das Web ist der wichtigste Teil des Internets, da hier offene Standards wie HTML5 regieren. So gut wie jeder Service hat eine Weboberfläche. Da die komplette Logik serverseitig liegt, kann man sich von überall einloggen und man befindet sich sofort wieder im zuletzt verlassenen Zustand. Gleiche Notizen und gleiche Playlists überall. E-Mails die man gelesen hat sind auch wirklich ungelesen.

Durch moderne Browser und HTML5 kann auch endlich alles im Web stattfinden, was vorher nativen Clients vorbehalten war. Google strebt 90% des Office-Marktes an – im Web! Und sie sind auf einem guten Weg. Ohne Hürde kann man den Dienst überall nutzen: Auf dem Desktop, auf dem Laptop und auf jedem Smartphone. Und bei einem neuen Betriebssystem, z.b. Windows 8, auf dem Smartphone, muss man nicht warten, bis eine App erscheint oder eine Software aktualisiert wurde.

Wir werden immer unabhängiger von Hardware und Betriebssystemen. Der Browser ist das Betriebssystem. Das Risiko liegt in der Cloud. Und nicht auf einer Festplatte, welche 2 Wochen vor Abgabe der Diplomarbeit das zeitliche segnet. Kein Akku- oder Stromausfall, keine nicht gespeicherten Daten.

Man sieht dies auch schon an den Systemen die auf den Markt drängen. Google hat mit seinem Chrome OS schon seit längerem ein Betriebssystem, welches nur aus dem gleichnamigen Browser besteht. Mit dem Chromebook Pixel gibt es jetzt ein Gerät, welches das hochauflösendste Display aller Zeiten mit LTE kombiniert. Keine Betriebssystem-Layer, die alle unnötig konfiguriert werden müssen und Exploits bieten. Das Chrome OS scheint unhackbar.

Seit einiger Zeit arbeite ich fast ausschließlich mit einem minimal aufgesetzten OSX. Hier mein Dock in Originalgröße:

Mein Dock in Originalgröße

Alles ist in Chrome: Auf Arbeit. Zuhause. Gleiche Shortcuts, gleiche Daten, keine Synchronisierungskonflikte. Evernote und Spotify sind Luxus, der Bedienung wegen. Keynote und Textmate sind die einzigen Dinge, welche ein Betriebssystem benötigen. Alternativen im Web gibt es (Google Drive Slides und Cloud9), aber die sind noch nicht so weit.

Firefox verfolgt mit dem Firefox OS einen ähnlichen Ansatz, allerdings für Smartphones. Ein mobiles Betriebssystem und eben hauptsächlich ein Browser. Die Apps dort sind im Web und nicht in einem kontrollierten Store. Immerhin hat Firefox schon mal das Netz gerettet, als sie mit dem Firefox einen diversifizierten Browsermarkt ermöglichten.

Wir erleben im Desktop-Browser gerade in Fast-Forward die Betriebssystem-Evolution der letzten 20 Jahre. Sicherheit, Erweiterbarkeit, 3D, Performance. Und die Smartphone-Browser beginnen das gleiche nochmals in noch viel schneller durchzumachen.

Native Apps werden immer obsoleter, das Netz wird von keinem Appstore kontrolliert. Das iPad hat mit dem HTML5-Push zwar Flash beerdigt, aber durch den offenen Standard viele Konkurrenten auf den Plan gerufen. Und das ist gut so. Ich will ein Chromebook Pixel.

 

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6 Gedanken zu „Wo das Web stattfindet – Heute und in Zukunft“

  1. Wollte schon die Mail löschen die mich auf den neuen Post hingewiesen hat. Dachte es sei Spam. Konnte mich nicht mehr an Mobizzle erinner. Doch irgend was hat mich dann doch dazu bewegt draufzudrücken :) Schön, dass es hier weiter geht!

    Bei mir spielt auch sehr viel im Browser ab. Allerdings ist mir eine native Anwendung lieber — am besten eine, die ein standardisiertes Format liest und erzeugt. Hab gerne die Kontrolle über meine Daten. Würde fast behaupten, der Browser ist der Shell des 21. Jahrhunderts.

  2. Native Apps sind ein geschlossenes System und auf einzelne Betriebssysteme optimiert. Der Webbrowser interpretiert den offenen Standard. Und kann unabhängig von Betriebssystemen und deren Updatezyklen immer funktionieren.

    Seit wann pochst du auf ein geschlossenes, plattformgebundenes, System? :) Ein universeller Standard ist unabhängig von der Frage nach nativen Apps glaube ich sinnvoll.

  3. Ich glaube ich sehe das nicht ganz so schwarz/weiß wie du. Die JavaVM, ein VT100-Kompatibles Terminal oder OpenGL sind für mich gleichbedeutend wie Webbrowser. Sie machen einen Standard überall verfügbar. Wichtig ist mir dabei nur, was mit den Daten passiert (welches Format, wo werden sie abgelegt, komme ich später da noch dran, sind sie kompatibel mit anderen Tools, …) Ob das Tool nun als Webanwendung umgesetzt ist oder als natives Programm ist mir dann meist egal. Allerdings ist mir die Reaktionszeit des Programms schon wichtig. Und wenn die von meiner Internetverbindung oder von einem überlasteten Webserver abhängt, dann geht mir das schon ziemlich auf den Zeiger. Ich habe hier readline wirklich schätzen gelernt. Man braucht keine visuelle Bestätigung mehr, readline macht das schon :)

  4. Das ist Blödsinn. Native Apps sind per se eben so wenig ein geschlossenes wie webapps ein offenes System.

    Was bringt dir dein universeller Standard, wenn er nur die Repräsentation betrifft? Kommt man damit an die Daten? Nein – Und selbst der universelle Standard ist Utopie, oder hast du mal versucht Webseiten auf dem Handy zu lesen?

    Aber gut, Web ist mehr als HTML. Da wäre noch HTTP. Super, dann weiß ich wie Präsentation übertragen wird, aber immer noch nicht wie die eigentlichen Daten aussehen. Mal versucht Gmail zu parsen um zu wissen ob du neue Emails hast? Dabei von offen zu reden bringt mich auch nicht weiter.

    Es mag wohl im Web die Möglichkeit geben Daten offen zu gestalten. Zum Beispiel über API’s. Aber die sind bei weitem nicht ein universeller Standard. Im Gegenteil: Es wird versucht sich über eine möglichst andere API abzugrenzen (Auth, URLs, Datenformat, verfügbare Daten). Nicht, dass jemand in der selben App auch noch die Konkurrenz mit unterstützt.

    Auf der anderen Seite native Apps. Genau die selbe Problematik. Aber was du verkennst: Auch hier gibt es Standards. Gerade wenn man sich auf einem OS bewegt. Nehmen wir Linux. DBus ermöglicht IPC. Es gibt Standards für Passwortverwaltung, ablegen von PIM Zeugs, Kommunikation, Metadaten, … Klar ist dies auf Linux beschränkt. Macos, Windows, Android, .. haben ihre eigenen Standards. Ebenso wie das Web auf seine eigenen Standards beschränkt ist.

    Ich finde Webapps kann man gut mit CLI Apps vergleichen. Sie produzieren ein universelles Ausgabeformat (HTML vs Text). Sie haben eine standardisierte Übertragung (HTTP vs STDIN/OUT). Und doch sagt beides nichts über die Verfügbarkeit der eigenen Daten aus.

    Offen ist, wenn ich entscheiden kann was ich mit meinen Daten mache. Wenn ich heute meine Daten aus StudiVZ eins zu eins nach Facebook und morgen von Facebook auf ein eigenes System verschieben könnte – ohne Nachteile zu haben. So als würde ich IMAP-Clients tauschen. Aber ob es jemals so weit kommen wird?

  5. Ja, da hast du schon mit vielem Recht. Man muss aber auch bedenken, dass es ein Zukunftsausblick ist. Mobile Web ist kräftig am kommen und funktioniert immer öfter.
    Windows 8 Apps und Firefox OS Apps schreibt „nativ“ man in HTML und CSS. Bei Windows 8 braucht man nur leider einen Store drumrum, um ranzukokmmen..

    Wieso willst du eigentlich den Sourcecode von Gmail zerlegen? Dafür gibt es doch die entsprechende API. Überhaupt, gibt es überhaupt heute noch einen relevanten Dienst ohne API? :)

  6. Was ich sagen wollte: Standardisiert ist nur die Anzeige und Übertragung. Beides hilft nicht um an die Daten ran zu kommen. Und wenn es eine API gibt, ist diese nicht standardisiert.

    Selbst wenn alle Dienste API’s hätten, kommt man damit bei weitem nicht an alle Daten. Immer nur so weit, wie es das Geschäftsmodell nicht gefährdet.

    Um es etwas provokant zu formulieren: Was ist der konkrete Vorteil von HTML/CSS?

    * Es funktioniert überall? Nein. Man muss tausend Anpassungen machen für Browser, Mobile Phone, Tablet, Windows Store, … Da einerseits HTML5 nicht alles relevante abdeckt und andererseits die Bedienkonzepte so unterschiedlich sind. Selbes UI für Touch und Mouse? Ich weiß nicht…
    * Es ist standardisiert? Ja, so großteils. Das hilft mir wohl, wenn ich ein Browser schreibe – aber sonst? Die meisten Webseiten ist so durchsetzt mit JS, dass der Code ohnehin kaum verarbeitbar ist (sie GMail Beispiel).

    Ich mein klar, alles ist besser als Flash. Aber ich seh den Zusammenhang von HTML/CSS und offenen Systemen nicht. Im Gegenteil: Konnte man früher zumindest noch Dateien öffnen und Netzwerk sniffen um herauszubekommen was eine App macht, ist man mit Webseiten vollkommen den geschlossenen Systemen ausgeliefert. Man hat absolut keine Ahnung was serverseitig mit den Daten passiert.

    Ich sehe das Web übrigens auch als Zukunft: Aber nicht als App sondern als Austauschpunkt verteilter Anwendungen. Nicht ein Google Docs sondern 1000 selbstgehostete Instanzen die miteinander kommunizieren können – Ähnlich Jabber oder Mail. Das ist für mich offen.

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