Weltweites Entwickler Sourcing: Gründe und Prozess dafür

Aufgrund von akutem Fachkräftemangel in Berlin führe ich ja gerade Bewerbungsgespräche mit Javascript-Entwicklern aus der ganzen Welt. Mir fallen nur noch wenige Gründe ein, warum man lediglich in der eigenen Stadt suchen sollte und noch weniger Gründe, warum man sämtliches Personal bei sich im Büro sitzen haben will.

Auslöser

Aktuell arbeite ich sowohl mit Entwicklern in Berlin und außerhalb von Berlin und außerhalb von Deutschland zusammen. Aber selbst mit dem Entwickler in Berlin kommuniziere ich die meiste Zeit über Slack.

Die Anforderungen werden immer spezieller und Unternehmen haben keine Zeit mehr für ewiges Onboarding. Gleichzeitig wird es aber auch immer egaler, woher jemand kommt.
Mir ist es wichtiger, dass jemand schon einmal mit einem erforderlichen Framework (in meinem Fall z.B.. React und Redux) in Production gearbeitet hat, statt dass er aus Berlin kommt. Deshalb schalte ich eigentlich nur noch Stellengesuche auf Englisch und ohne geografische Bindung der Arbeitsstelle.

Demut

Das Sprechen mit Entwickler der ganzen Welt kann ich nur jedem nur empfehlen, der Angestellte sucht. Selbst, wenn es es am Ende keiner davon wird, bleibt eine gewisse Demut: 
Die Erfahrung, dass ein Entwickler unabhängig von seinem fremdländischen Nachnamen und seinem Kaff in Spanien, Pakistan, Nigeria oder Weißrussland exakt das selbe Tooling und die selben Frameworks benutzt und sich die selben YouTube Videos von Konferenzen reinzieht, verdeutlicht ganz klar die Größe des eigenen Egos und die Grenzen der eigenen Filter-Bubble.

Es ist wirklich schön zu sehen, wie das Internet für Chancengleichheit sorgt. Jeder auf der ganzen Welt kann den neusten heißen Scheiss aus Amerika nutzen – aber theoretisch auch den nächsten heißen Scheiss selbst bauen!

Work & Travel

Aber mir geht es gar nicht mal um Altruismus oder darum gezielt Entwicklungsförderung zu betreiben. Eigentlich möchte ich ja nur gute Entwickler. Und rein statistisch gibt es davon auf der restlichen Welt mehr als in Berlin.

Interessant können auch Deutsche im Ausland sein, da dann zumindest die Sprachbarriere entfällt. Manche Menschen machen aus Work & Travel gar einen Kult. Gerald Schömbs sieht darin sogar eine Chance für ein gutes Non-Profit-Modell. Es gibt eigentlich nur wenige Gründe, warum man nicht ständig um die Welt reisen sollte – vor allem, wenn man mit gut bezahlten Aufträgen aus dem Heimatland / aus Deutschland versorgt ist.

Remote-Team und Bewerbersuche in der Praxis

Das klappt natürlich nur, wenn das Team dafür ausgelegt ist. So eine Entscheidung das Team remote zu halten, muss sehr früh getroffen werden und konsequent durchgezogen werden. Ein bestehendes Team zu zersplittern, halte ich in keinem Fall für erstrebenswert.
Man muss sich allerdings auch im klaren sein, dass sich durch eine so offene Bewerbung sehr viele Kandidaten bewerben. Deshalb habe ich da sehr klare Richtlinien. Hier ein kleiner Auszug aus einer meiner Stellenausschreibungen:

How to proceed

If the stack and the circumstances work for you, you can apply directly by sending your application to klaus@buzzbird.de.

Application Checklist:

* Brief résumé: Who are you? What have you worked on so far? Using which technology?
* Tell us about your project experience with React and Redux!
* Have you ever contributed to Open Source Projects?
* Your conditions: What’s your idea of an ideal salary?
* Your approximate availability and how many days per week you’d like to work and from where you want to work.
* And most importantly: When can you start?

Meeting in person:

If your preferences and formal skills fit the profile, we’ll meet in person. Preferably face to face, if you live in Berlin. Otherwise we can first conduct a Skype interview and invite you to come to Berlin afterwards.

Testproject:

You will receive a programming test form us. Most likeley this will be a refactoring of an existing project to test your skills and get an impression of your working style.

Onboarding:

Once we’ve agreed upon your conditions and everything else suits both sides, you’ll receive 1-2 weeks of boot camp training on-site here in Berlin (we’ll bear the costs).  Afterwards you’ll be able to work from wherever you like. We communicate using Slack and Trello. If you live in Berlin, you’re free to work in the office, as well.
Ich antworte übrigens auf jede Mail, und wenn ich nur noch einmal die Checklist abfrage.

Fazit:

Der Entwickler muss was drauf haben und die persönliche Ebene muss stimmen. Das ist aber in Deutschland so und das ist nirgendwo auf der Welt anders.

Bildquelle: Angoulins, ein kleines Kaff in France.

Feedback

Seit der Veröffentlichung sind einige Fragen aufgekommen, die ich gerne beantworten möchte:

Frage: ich bin aktuell auf der Suche nach Verstärkung für XY im Bereich Backend PHP-Entwicklung mit Laravel. Kannst du mir eventuell ein, zwei Tipps fürs Recruiting geben? Also z.B. mit welchen Jobbörsen / Kanälen du gute Erfahrungen hast. Oder kannst du sogar jemanden empfehlen der aktuell auf der Suche ist?

Antwort: Stack Overflow hat bei mir die besten Ergebnisse erzielt. Diesem Thema habe ich mich sogar mit einem ganzen Nachfolge-Artikel gewidmet.

 

Frage: [..] Habe deinen Artikel über Remote Work gelesen und uns hier und da wiedergefunden. Gerade die klare Kommunikation und vor allem das Über-Kommunizieren war für uns anfänglich eine Herausforderung. Das hast Du gar nicht in deinem Artikel erwähnt, ist das nichts was ihr auch merkt? Inzwischen ist unser kleines Team aus 5 Entwicklern und UXlern auf der ganzen Welt verteilt. 

Antwort: Über-Kommunikation legt sich meiner Ansicht nach, wenn das Onboarding lange genug und persönlich genug ausfällt. 2 Wochen sollten es schon sein. Dann kann jeder in seiner Remote Location aus produktiv arbeiten.

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Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

2 Gedanken zu „Weltweites Entwickler Sourcing: Gründe und Prozess dafür“

  1. Ein guter Beitrag. Das lustige ist, ich habe mir kürzlich Gedanken über Recruiting mithilfe von Influencer Marketing gemacht. Vieleicht solltest du da auch mal die eine oder andere graue Zelle reinstecken.

    Beste Grüße,

    Geert

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