Agiles Projektmanagement mit Scrum für Agenturen

Für viele von euch ist Scrum hoffentlich ein Begriff. Und für viele von euch hoffentlich noch nicht. Sonst könnte ich ja nichts neues erzählen ;) Scrum, so ganz grundsätzlich, ist eine Methodik für agiles Projektmanagement. Ich sage bewusst Projektmanagement und nicht Softwareentwicklungsprozess, da ich der Meinung bin, dass man nicht nur die Entwicklung von Software so managen kann. Deshalb, und da wir sehr integriert unsere Kunden betreuen, sind bei uns vor allem die Definitionen der Rollen etwas anders als bei einem reinen technischen Dienstleister.

Ich möchte mit dem Beitrag auch überhaupt einmal die Basis für Scrum legen, damit bei den bald folgenden Artikeln über agile Planung und agile Kalkulation auch jeder mitkommt, der Scrum bisher noch nicht kannte.

Philosophie

Scrum versucht, das Management der Komplexität zu strukturieren:

  • Zerlegung: Der Weg zur Lösung wird in einzelne gut überprüfbare Schritte zerlegt.
  • Transparenz: Der Fortschritt und die Hindernisse eines Projektes werden täglich und für alle sichtbar festgehalten.
  • Überprüfung: In regelmäßigen Abständen werden Produktfunktionalitäten geliefert und beurteilt.
  • Anpassung: Die Anforderungen an das Produkt werden nicht ein und für alle Mal festgelegt, sondern nach jeder Lieferung neu bewertet und bei Bedarf durch weitere Iteration angepasst.

Die Rahmenbedingungen

  • 1 Verantwortlicher auf Kundenseite, der das Feedback kanalisiert und für das Projekt verantwortlich ist. Der sogenannte Product Owner.
  • 1 Account Manager, der während dem Sprint das Projekt mit dem Kunden durchgeht und ständiger Ansprechpartner ist. Normalerweise ist das der sogenannte Scrum Master. Da das bei den meisten Projekten bei uns aber nicht eine volle Stelle ausfüllt und die Kunden ohnehin schon einen Account Manager haben, welcher auch Strategie und Community kennt, übernimmt dieser bei uns diese Funktion. Für Einhaltung und Moderation des Scrum Prozesses bin dann ich dabei.
  • 1 festes Team auf dem Projekt.

Sprint

  • Ein Sprint ist eine einzelne Zeiteinheit, in der das Produkt entwickelt wird und für die „vorausgeplant“ wird.
  • Die Dauer eines Sprints kann individuell bestimmt werden. Gängig sind 1 oder 2 Wochen.
  • Die Dauer eines Sprints sollte immer gleich lang sein.
  • Zum Start jedes Sprints steht ein Jour Fix als Sprintplanung.
  • Nach jedem Sprint ist eine lauffähige Version der Software online.

User Story

  • Eine User Story („Anwendererzählung“) ist eine in Alltagssprache formulierte Anforderung.
  • Sie ist bewusst kurz gehalten und umfasst in der Regel nicht mehr als zwei Sätze.
  • Der Autor der Story sollte der Kunde des Software-Projektes sein.
  • Die User Story ist die wichtigste Methode, um ein agiles Projekt zu steuern.

„Als <Rolle> möchte ich <Ziel/Wunsch>, um <Nutzen>

Beispiele:

Anwendung starten: Die Anwendung startet, indem sie das zuletzt bearbeitete Dokument des Anwenders öffnet, damit der Anwender Zeit spart.
Anwendung schließen: Wenn der Anwender die Anwendung beendet, erscheint eine Anfrage, ob das bearbeitete Dokument gespeichert werden soll, damit Änderungen nicht verloren gehen.
Anwendung starten: Als Autor möchte ich nach dem Start der Anwendung mein zuletzt bearbeitetes Dokument sehen, um Zeit zu sparen.

Beispiele und Definition von Wikipedia.

Produkt Backlog

Das Produkt Backlog ist eine priorisierte Liste, die alles enthält, was in dem fertigen Produkt enthalten sein sollte.

  • Neue Anforderungen in Form von User Stories
  • Bugs
  • Technische und organisatorische Tasks

Alles was aufkommt, wird vom Team und vom Kunden erst mal ins Produkt Backlog eintragen und bei der nächsten Sprint-Planung geschätzt und priorisiert.

Hier ist ein fiktives Beispiel:

Fiktives Beispiel eines Scrum Backlogs

Sprintplanung und Sprint Backlog

In der Sprintplanung wird definiert, was im Sprint passiert. Der Kunde bestimmt, welche Items vom Produkt Backlog in den Sprint Backlog kommen. So wird die Priorität jederzeit vom Kunden gesteuert.

  • Das Team schätzt den Aufwand der User Stories in Punkten (z.B.1 – 3)
  • Beschränkung des Aufwands auf z.B. 10 Punkte pro Sprint. (Abhängig von Teamgröße)
  • Bugs kosten keine Punkte sondern müssen selbstverständlich behoben werden und kommen immer in das Sprint Backlog.
  • Jederzeit optimierung, was am meisten Business-Value generiert.

Fazit und Vorteile

Mein Hauptargument dabei ist ja immer: Wir können direkt morgen anfangen, denn ein komplexes Projekt wird nicht noch komplexer geplant.

Man weiß ja heute nicht genau, was morgen sein wird. Deshalb setzt man besser enge Korridore (Sprints) um kontinuierlich kleine Pläne „auf Sicht“ zu schmieden. So entsteht garantierter Business-Value, da wir spätestens nach 2 Wochen abgleichen, ob wir gerade den maximalen Wert für den Kunden schaffen. So entstehen auch keine übermäßigen Korrekturschleifen am Ende, da alles direkt gefeedbackt wird. Ganz nebenbei bietet es eine leichtere Einschätzung des Entwicklungsprozesses und sorgt so für Transparenz, auch bei Nichttechnikern. Und mitunter das wichtigste dabei ist: Es ist jederzeit eine lauffähige Version online.

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Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

3 Gedanken zu „Agiles Projektmanagement mit Scrum für Agenturen“

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