WhatsApp: Graswurzelbewegung der deutschen Digitalisierung?

Ich bereite für das t3n Magazin gerade einen Artikel über WhatsApp in der Unternehmenskommunikation vor. Dabei ist mir etwas grandioses und philosophisches aufgefallen: WhatsApp scheint wie eine Graswurzelbewegung der Digitalisierung. Viele kleine machen es – die großen lassen aber noch auf sich warten. Dabei nutzt es doch  jeder privat!

Mittelständische Cases:
Bei buddybrand führten wir zwar Cases für größere Unternehmen durch, allerdings handelte es sich immer um zeitlich abgeschlossene Testballons. Was ja nicht schlimm ist. Sondern fast schon mutig. Aber als ich mich gerade so umgeschaut habe, wer denn hier in Deutschland dauerhaft WhatsApp einsetzt, fand ich nur kleine bzw. regionale Geschichten.

Wieso wird WhatsApp von den großen deutschen Unternehmen so zögerlich akzeptiert?  Ich habe dafür mehrere Thesen.

Skalierung:
Für WhatsApp braucht es offentsichtlich kein hohes Budget. Nur ein Smartphone und einen Redakteur. Nichtmal benötigt man eine kritische Masse. Im Gegenteil. Denn WhatsApp skaliert deutlich schlechter als Facebook, da jede Frage individuell beantwortet wird.

Personal:
In einem kleinen Unternehmen verantworten einzelne Personen mehrere Aufgaben oder Gebiete parallel und können deshalb vermutlich solche Entscheidungen schneller treffen als ein Konzern mit vielen Fachbereichen.

Datenschutz:
Oder liegt es an zu vorsichtigen Rechtsabteilungen? Und ja, die WhatsApp Server gehören zu Facebook und unterliegen damit amerikanischem Recht – aber was spricht denn dagegen, darüber unkritische Informationen zu übertragen? Spezieller: Was spricht gegen 1st Level Support? Sofern man keine sensiblen Kundendaten über WhatsApp überträgt, sollte man doch dem Konsumenten möglichst viele Touchpoints anbieten.

Das Für und Wieder bezüglich Datenschutz möchte ich hier gar nicht in der Erschöpfung behandeln. Diese Diskussion gibt es im bereits online erschienen t3n Artikel in den Kommentaren.

Das Marketing ist nicht bereit für Dialog:
Vielmehr sehe ich die Schwierigkeit in der Charakteristik des Kanals: WhatsApp ist kein reiner Marketing-Kanal, wie Facebook (inzwischen) einer ist. Bei Facebook wird jetzt vor allem auf Reach optimiert und die Leistung anhand von Marketing KPI gemessen.

WhatsApp allerdings ist ein Messenger und damit ein komplett fremdes Medium für die Unternehmen. Ein Einweg-Marketing-Kanal ist es damit sogar nur in zweiter Linie. Die Stärken spielt Whatsapp naturgemäß im Dialog aus.

Fallen euch noch weitere Beispiele ein?

(Bildquelle)

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Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

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