Digitaler Wandel: Keine Vorreiter, sondern Außenseiter

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf Blogparade: “Ist Digitalien eine Insel?” Bauen wir doch ein paar Brücken!

Falsches Selbstverständnis

Zuerst möchte ich etwas zurück rudern. Ich finde, dass die Problematik heißer gekocht als gegessen wird. Gesamtgesellschaftlich ist digitale Kommunikation und die Beschäftigung mit dem Internet an und für sich weit weniger wichtig, als wir denken. Das ist schwer einzusehen, denn für uns ist es omnipräsent und die meisten, die das hier lesen, werden ihre Existenz auf die eine oder andere Art darauf begründen. Aber wir sind weniger und wir sind unwichtiger als wir selbst glauben.

Schaut man mal in den Bundestag: Wir leben in einer repräsentativen Demokratie, weshalb ich davon ausgehen muss, dass die Menschen, die dort sitzen repräsentativ für Deutschland als Gesellschaft sind. Und wir sind nun mal ein christlich geprägtes, konservatives und hart arbeitendes Land. Das muss man verstehen. Und einsehen. Ein Großteil der Menschen möchte in erster Linie seine Existenz gesichert wissen. Denen braucht man gar nicht mit netzpolitischen Themen kommen, wie sie uns am Herzen liegen. Man würde sie aus einer Fremden Galaxie überfallen.

Trägheit der Masse

Max Planck hat sehr schön ausgedrückt: Veränderungen in der Gesellschaft setzen sich nicht unbedingt durch, indem Skeptiker überzeugt werden, sondern indem die nachwachsende Generation wie selbstverständlich von vornherein das Neue macht.

[blockquote source=“Wissenschaftliche Selbstbiographie, Leipzig 1948. Max Planck“]Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist. [/blockquote]

Und die Ironie daran: Für ihn selbst galt das in späteren Jahren auch. Und für uns wird es auch gelten, wenn wir mal an dem Punkt angelangt sind, an dem die Gesellschaft für uns persönlich digital transformiert ist. Wenn nur noch Menschen leben, die so kommunizieren wie wir heute in unseren 20ern und 30ern, dann werden wir „die Alten“ sein und die neue Jugend wird nicht verstehen wieso wir noch in WhatsApp tippen, wenn man sein Gehirn dann auch direkt ans Internet anstöpseln kann.

Und wir sehen es ja schon heute: Selbst hochgradig digitalaffine Menschen, zu denen ich mich selbst zähle, verstehen nicht vollständig, was gerade mit der Jugend und Youtube abgeht. Youtube wird zum Abenteuerspielplatz, der kein Platz für die Eltern hat. Dort drückt die Jugend von heute sich mit einem ganz neuen Selbstverständnis aus.

Beschleunigung der Spezialisierung

Auch wenn die breite Masse sich nur sehr träge digitalisiert, lässt sich nicht leugnen, dass wir zu diesem Zeitpunkt insgesamt den krassesten technologische Fortschritt in der Menschheitsgeschichte haben.

Durch das Internet entstehen in bestehenden Branchen ganz neue Spezialisierungen: Häuser werden automatisiert und Autos vernetzt. Und durch die Erfahrung und Rückführung dieser vielen kleinen Innovationen wird dann doch der gesamtgesellschaftliche digitale Wandel vorangetrieben.

Eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm

Auch wenn wir nicht zufrieden sind, sind wir doch in einer ziemlich bequemen Position. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt wach genug, um auf der Welle des digitalen Wandels mitzusurfen. Wir beobachten, wie um uns herum Geschäftsmodelle durch diesen digitalen Wandel aufgewirbelt werden oder sind gerade selbst fleißig dabei, aufzuwirbeln. Egal ob wir Programmieren, eine Community managen, designen oder einfach nur unsere Gedanken teilen.

Oder wir haben einfach nur Spaß, den ganzen neuen heißen Scheiß zu benutzen.

Hallo Zukunft, wir sind schon da.

Sharing:
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Share on LinkedIn

Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.