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Die Überwachungssituation ist wie Pinkeln im Pool

Jeder geht doch eigentlich davon aus, dass andere Menschen in den Pool machen. Einfach weil es möglich ist. Und weil es nicht auffällt. Aber trotzdem geht jeder schwimmen. Man kann es ja relativ gut ignorieren, da wir es nicht vor Augen haben. Und schließlich ist ja auch Chlor im Wasser.

Stelle man sich jetzt aber vor, dass ein kleines, von den Eltern unbewachtes, Kind am Beckenrand steht und es einfach laufen lässt, dann würden sofort alle rausgehen.

Und warum? Weil es dann nicht mehr länger geleugnet werden kann. Auch wenn sich an der insgesamten Urin-Belastung im Wasser dadurch vermutlich nicht mehr viel ändert.

Und mit der Überwachungssituation ist es doch genauso. Also mit diesem Spähangriff

Irgendwie gingen wir ja alle schon davon aus, dass wir überwacht werden. Einfach nur, weil es möglich ist. Und wir haben nicht viel dagegen getan, sondern unsere Daten kunterbunt überall im Internet verteilt.

Doch dann kam Snowden. Er war unser Baby, das in den Pool gepisst hat. Wir waren kurz aufgeschreckt, sind aus dem Pool heraus, der eine oder andere hat sich vielleicht von ein oder zwei Diensten abgemeldet, aber im großen und ganzen sind wir am nächsten Tag wieder im Pool gewesen wie eh und jeh.

Die Gefahr ist einfach nicht greifbar. Es ist so einfach und bequem zu leugnen, dass wir überwacht werden.

Überlegt mal, dass euch im echten Leben jemand über die Schulter schaut während ihr mit eurer Freundin chattet. Ihr würdet sofort aufhören. Eine Hand über den Screen legen. Oder so. Das ist schlimmer und unbequemer als das schwelende Gefühl, dass irgend ein Regierungsbeamter alles mitlesen kann.

Wir haben es uns bequem gemacht.  Aus einem “Das geht Sie gar nichts an” wurde plötzlich ein “ich habe nichts zu verbergen”. 

Übrigens: Die Profi-Schwimmer haben sich sogar schon mit dem Pinkeln im Pool arrangiert. 

24.05.2014

2 thoughts on “Die Überwachungssituation ist wie Pinkeln im Pool”


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