Was wurde nur aus der re:publica?

Ich meinte es ernst. Leider. Muss aber auch sagen, dass es natürlich meckern auf einem hohen Niveau ist.

Die re:publica gibt es seit 2007. Bei der Hälfte war ich dabei. Ich bin also kein Urgestein, aber genügend involviert um mich etwas aufzuregen. Grundsätzlich natürlich krassen Respekt gegenüber dem Team, was die re:publica aus der Taufe gehoben hat und bis heute begleitet. Was ihr bisher geschafft habt, ist einzigartig und toll. Nur die aktuelle Entwicklung beunruhigt mich. Und das liegt nicht nur an den Themen, die behandelt wurden. 

Problem Media Convention

Hauptproblem ist dabei die Media Convention und den Raum, den sie inzwischen einnimmt. Die meisten Talks der Media Convention waren einfach nur uninspirierte Werbung der großen Plattformen. Dabei zeigten die für Deutschland / Europa abgestellten PR-Menschen keinerlei Kontur oder mutige Position. Wie sollen sie auch? Und so übertrafen sich die Firmen nur in geschniegelter Selbstdarstellung.

Das das Logo der re:publica dem der Facebook Ads stark ähnelt, ist da nur noch ein ironischer Side-Fact. 

Die Faszination lässt nach

Noch Im letzten Jahr konnte ich mich gar nicht entscheiden, in welchen Talk ich will. Wenn mal nebenher im Büro etwas zu tun war, saß ich auf glühenden Kohlen und konnte es kaum erwarten,  die3 Stationen mit dem M29 wieder bis zum Konferenzgelände zu fahren.

Dieses Jahr war die Wahl der Talks vor allem die Wahl zwischen dem geringeren Übel. Nebenher mal einen halben Tag im Büro zu sein, war schon fast beruhigend und erschien mir eine bessere Investition meiner Zeit zu sein.

Zu viel Politik, zu wenig Flausch.

Seit der Sascha-Lobo Rede aus dem letzten Jahr nimmt sich jeder mit einem Vorhaben oder einer Organisation noch ernster als zuvor. Sämtliche Titel der politischen Talks in diesem Jahr waren düsterer als je zuvor. Abgelesene Reden als Vorworte von Politikern taten ihr übriges.

Die Medien berichten von einer Internetkonferenz. Aber eigentlich war es dieses mal eine Politikkonferenz.

Das ist ein Problem. Damit vertreibt man politisch halbinteressierte wie mich nur noch mehr.

Mehr Kätzchen und Innovationen

Wenn ich an das Internet denke, dann denke ich an Kätzchen und Innovationen.Von beidem gab es zu wenig.

Lustige Vorträge und Catcontent waren Mangelware. Wirklich inspirierende Talks ebenso. Sogenannte Innovation war oft nur Selbstdarstellung von  Startups mit zu wenig Budget um sich einen richtigen Stand zu leisten. Ein sogenannter Lightning-Talk wird über 10 Minuten gezogen und stellt ein seit Jahren etabliertes Geschäftsmodell vor. Neue Impules? Keine Spur. Die MIZ-Box auf der Fläche gab sich zwar Mühe, war aber doch nur  eine elitäre Sauna mit selbstbeweihräucherndem Aufguss.

Macht, dass die re:publica wieder Spaß macht!

Mein Appell: Macht die re:publica wieder lustig. Macht sie voll Catcontent. Voll Innovationen. Ein Spielplatz für Erwachsene, die im Netz sind. Wenn man Menschen im positiven Sinne begeistert, dann verstehen sie auch, dass man Politik braucht um das zu erhalten. Das war schließlich der Spirit der vergangenen Jahre. Den brauchen wir wieder zurück.

Und lasst die re:publica vor allem wieder mehr re:publica sein. Trennt die Media Convention deutlicher ab!

Klar. Es gab schon auch ein paar Highlights. Ohne Frage. Und ihr dürft mir gerne noch weitere verlinken, aber an meiner Gefühlsebene ändert das nichts.

Dieses Jahr waren vermutlich mehr Menschen denn je auf der re:publica. Aber ich persönlich habe weniger mitgenommen denn je. Klingt deprimierend. Aber ich habe ernsthaft Hoffnung, dass es die Menschen um Spreeblick und Netzpolitik nächstes Jahr wieder besser hinbekommen.

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Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

2 Gedanken zu „Was wurde nur aus der re:publica?“

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