Was wollt ihr mal werden, wenn ihr groß seid?

Ein kleines Kind wird oft gefragt, was es mal werden will, wenn es groß ist. Feuerwehrmann, Astronaut oder Tierarzt sind dann die klassischen Antworten. Aber warum stellt man diese Frage einem Erwachsenen nicht mehr? Oder, anders gefragt, an welchem Punkt hört man auf, sich zu fragen, was man noch werden will?

Wir studieren. Oder wir brechen ab. Nehmen das nächstbeste. Erst mal über die Runden kommen. Träume beschränken sich darauf, den nächsten Schritt auf der Karriereleiter im Unternehmen zu erklimmen. Senior, Teamleiter, Teammanager oder Head of zu werden. Die Wünsche nach „neuen Herausforderungen“ sehnen sich danach, dass gleiche in einem anderen Unternehmen zu machen, für mehr Geld natürlich, man ist ja jetzt Senior.

An welchem Punkt übergibt sich ein Mensch „in das System“ und hört auf Träume zu haben?

Ich bin ja auch in der Rolle, dass ich viele Personalgespräche führe. Und so albern finde ich die Frage, wo sich jemand in 5 Jahren sieht, gar nicht. Wir hatten schon Mitarbeiter, bei denen erntete die Frage danach, wo derjenige längerfristig hin will, verunsichertes Schweigen. Die Frage danach, wo sie hin möchten erzeugte wirklich Angst! Sie möchten jeden Tag auf Arbeit kommen, ihre Sachen (durchaus gut) abarbeiten, und dann wieder nach Hause gehen.

Kann man akzeptieren, solange die Arbeit stimmt. Aber meiner Meinung nach sind die besten Mitarbeiter diejenigen, die wissen, was sie selbst erreichen wollen, und eine Rolle in einem Unternehmens finden, in dem sie das können. Ich glaube, dass es sowohl die persönliche Karriereplanung als auch den Aufbau eines Unternehmens deutlich vereinfacht und auch beschleunigt, wenn man eine klare Vision verfolgt.

Und wo wir gerade beim Thema sind. Als Gründer ist man in der etwas absurden Situation, quasi schon oben auf der Karriereleiter eingestiegen zu sein. Ich kann mich nicht fragen, wie ich es  schaffe innerhalb des Unternehmens „senioriger“ zu werden. Und für mich kommt auch nicht in Frage, zu einem anderen Unternehmen, womöglich noch in eine Festanstellung, zu wechseln.

Das mach es allerdings nicht leichter. Im Gegenteil. Es gibt kein Junior-Senior-Framework für Erfolg. Der persönliche Zufriedenheit ist mehr oder weniger mit der Entwicklung des Unternehmens gleichgestellt. Aber damit meine ich jetzt nicht die Entwicklung des Umsatzes, sondern eher das Verfolgen einer Vision. Glück oder Zufriedenheit lassen sich nicht durch Umsatz messen.

Auf meine ursprünglich gestellte Frage habe ich allerdings auch keine Antwort. Wollte euch lediglich mal zum Nachdenken anregen und vielleicht jedem die kleine Challenge mitgeben, sich diese Frage selbst zu stellen. 

PS:  Die Challenge kann man durchaus auch aufs Privatleben beziehen. Also, falls ihr Deutscher Meister in eurer Nischensportart werden wollt oder einmal im Leben einen Langdistanz-Triathlon durchziehen wollt – auf gehts. Im Optimalfall macht ihr aber eure Berufung zum Beruf. 

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Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

4 Gedanken zu „Was wollt ihr mal werden, wenn ihr groß seid?“

  1. Natürlich lässt sich Zufriedenheit messen – wenn nicht direkt, dann indirekt.
    Analaog zum Erfolg stehen bei der Zufriedenheit gewisse Faktoren und Stellschrauben vornedran, die jeder für sich festlegen muss, siehe Grafik: http://www.iqual.ch/de/ansatz-und-methode/e-success.

    Persönliches Beispiel:
    Ich messe meinen Erfolg für 2014 (nicht abschliessend) mittels der folgenden, messbaren Faktoren fest:
    Finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit, 20 Tauchgänge in einem warmen Meer, Uniabschluss, viel Zeit mit Freunden verbracht, 10 Konzerte mit meiner Band gespielt, 3 neue Orte besucht auf der Welt, Wohnung fertig eingerichtet.
    Einige dieser Dinge sind zwar binär, aber auch das zähle ich als messbar – erreicht oder nicht, 1 oder 0.

    Persönlicher Erfolg und Zufriedenheit/Glück sind halt sehr individuell. Die wichtige Frage ist also nicht, ob man zufrieden/glücklich ist, sondern was Zufriedenheit und Glück ausmacht. Was ist wichtig? Wenn man diese Frage beantworten kann (und ja, das kann man, man muss nur wollen), dann kann man je nach Zielart den persönlichen Erfolg einer spezifischen Zeitspanne berechnen. Wenn man etwas nicht erreicht, heisst das aber nicht gleich, dass man unzufrieden ist. Die nachfolgende Stellschraube ist direkt beeinflusst, aber vielleicht ergibt sich die Zufriedenheit mittels anderer Stellschrauben.

    Habe gerade ein bisschen den Faden verloren und Schreiben mit System fällt mir schwer auf einer Handy-Displaytastatur. Mehr folgt morgen ;)

    Fazit soweit: Zufriedenheit ist messbar und dadurch steuerbar.

    1. Sehr interessanter Ansatz, wie du Zufriedenheit für die quantifizierst und dadurch messbar machst. Hast du das wirklich vorher, also um die Jahreswende, für dich definiert?
      Mir fällt es schwer, so etwas wirklich zu quantifizieren. Ich möchte eher propagieren, dass man ständig den Status Quo auf die Probe stellt. Wenn ich so zurückblicke, hat man objektiv vielleicht einiges erreicht – subjektiv aber, fühlt sich alles noch genauso an. Jeder Rückschlag heute fühlt sich genauso elendig an, wie er es damals im Studium war. Aber insgesamt, ist das Niveau, auf dem man sich beschwert, halt gestiegen.

      Ich finde auch nicht, dass egal ist was dazu führt, dass man langfristig glücklich und zufrieden ist. Da stimmt schon, das der Weg das Ziel ist. Heißt das, dass dudie nächsten 30 Jahre überhart arbeitest, damit du die letzten 10 Jahre deines Lebens glücklich und zufrieden sein kannst? Ist es nicht viel erstrebenswerter, wenn der Weg, der einen dort hin führt, selbst schon glücklich und zufrieden macht?

      1. Jein. Wenige Dinge sind langfristig definiert (heisst hier mehr als 1 Jahr), andere Dinge mittelfristig (innerhalb von 12 Monaten) und noch andere sehr kurzfristig (in den nächsten 1-2 Wochen). Schliesslich hat alles eine Deadline – und alles, was dabei ins Raster 2014 fällt gilt für das Jahr 2014. Einige Dinge kommen halt erst z.B. Ende November dazu, ist aber innerhalb von 2-3 Wochen fällig. Daher gibt es keine abschliessende Liste für 2014. Ich hab nur die Erfahrung gemacht, dass ich unspezifische Ziele nie erreichen kann. Und unerreichte Ziele machen mich unglücklich.

        Und Rückschläge fühlen sich auch nicht mehr so elendig an, wie sie einmal waren. Das hat aber vor allem damit zu tun, dass ich durch den Umstand, dass ich an der Vergangenheit nichts mehr ändern kann, diese (natürlich nicht komplett, bin ja auch nur ein Mensch) ausblende. Jedenfalls was die Ziele betrifft. Einige Ziele kann man „nachdatieren“, andere sind und bleiben unerreicht.
        Natürlich gehen sie aber nicht vergessen, weil man so ja nichts mehr daraus lernen könnte. Aber schlussendlich bleibt mir nicht der Rückschlag, sondern die Erfahrung daraus. Was kann ich anders machen, oder was kann ich besser? Das sind die wichtigen Fragen.

        Und ja, der Weg ist das Ziel. Und auch der Weg soll glücklich und zufrieden machen. Für das sind die kurz- und mittelfristigen Ziele da. Weiter als 1-2 Jahre denke ich eh nicht, das übersteigt meinen Vorstellungshorizont komplett. Wenn ich jetzt 2 Jahre zurückdenke, dann hätte ich diesen Weg, den ich gegangen bin, NIE in Betracht gezogen.
        Ich habe erst gerade wieder damit begonnen, sämtliche meiner Aktivitäten zu hinterfragen: „Macht mich das glücklich? Mach ich das gerne? Jetzt im Moment oder bringt es mir längerfristig Zufriedenheit?“ Auch hier sind wieder einige Dinge radikal weggestrichen worden. Dadurch kann ich mich auf die Dinge konzentrieren, die für mich direkte und indirekte Stellschrauben (ich benutz das Wort zu oft, ich weiss) für Glück und Zufriedenheit darstellen.

        Noch zum Statement „Wenn ich so zurückblicke, hat man objektiv vielleicht einiges erreicht – subjektiv aber, fühlt sich alles noch genauso an.“:
        Erst vor kurzem habe ich für mich genau diesen Beschluss gezogen – und wurde danach von mehreren Seiten ziemlich heftig daran aufmerksam gemacht, dass das Quatsch mit Sauce (Sosse für euch Deutschen ;)) ist. Es stimmt nämlich genau das Gegenteil. Und das von Leuten, die mich seit 10 Jahren kennen bis zu Leuten, die mich seit 2 Jahren oder noch kürzer kennen. Immerhin hast du in der objektiven Betrachtung schon erkannt, was du erreicht hast. Aber sei mal ehrlich zu dir, fühlt es sich wirklich genau so an? Oder hast du dich einfach ständig an die Veränderung gewöhnt? Wenn man den Klaus vor 3 Jahren und den heutigen Klaus einander gegenüberstellt – sind das wirklich so fest die gleichen Personen? Oder ist da doch mehr dahinter? Ich sehe hier also nicht das Problem des subjektiven Stillstandes, sondern der Wahrnehmung der Veränderung.

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