Phase 2: Der Berliner mit seinen Projekten am Laufen

Er wird zwar oft belächelt, doch der Berliner mit all seinen Projekten „am Laufen“ steht für ein intaktes Innovations Ökosystem. Im folgenden einige Gedanken, die mir auf der Suche nach meinem nächsten Geschäftsmodell so kamen.

Jeder kennt die Situation: Man lernt jemanden kennen und möchte etwas über ihn lernen. Man fragt: Und was machst du so – beruflich? Aus dem „Irgendwas mit Medien“ von früher wurde inzwischen ein „Ich habe da so ein Projekt am Laufen“. Viele Menschen (meistens mit einem festen Job oder nicht aus/in Berlin) machen sich darüber lustig. Symbolisch steht für mich dafür das Lied „Ich will nicht nach Berlin“ von Kraftclub:

Ich habe da gerade so n‘ Projekt – super!
Noch nichts konkretes, aber sehr geil
Businessmäßig hab ich mich da noch nicht festgelegt
Irgendwas im „creative“ Bereich – Auf jedenfall!
Bloß kein nine to five job – ?? – find ich ja mega ätzend!
Genau, ich mach einfach einen Fashion Blog – geil!
Und laufe dann mit meiner Spiegelreflex durch Friedrichshain
und mache Fotos, von „Streetern“ und intressanten Leuten
Hauptsache hier in Berlin!

Ich möchte heute mal eine Lanze für diese Projekte brechen. Weil das ist eigentlich ganz gut. Viele großartige Unternehmen, die ein wirkliches Problem lösen, starteten mal als Projekt. Eben weil der Bedarf dafür da war.

Projekte-Darwinismus: Natürliche Selektion

Das Positive vorab: Aus einem Projekt zu starten ist erst mal ungezwungen. Man muss sich noch nicht Vollzeit verpflichten und gründet noch keine Firma. Es kann sich ganz natürlich entwickeln und wie es sich entwickelt, wird es für alle passen. (Oder halt nicht.)

Auf dem Weg eines Projektes zum Erfolg oder einem richtigen dauerhaften Unternehmen muss ein Projekt einige Hindernisse nehmen und sich anpassen. Im Prinzip Darwinismus. Das stärkere Projekt setzt sich durch:

  • Soziale Einflüsse: Weil es mit den einen Menschen besser passt, als mit den anderen.
  • Umwelt-Einflüsse: Weil der Markt dafür da ist und der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
  • Wirtschaftliche Einflüsse: Manche Projekte bezahlen einfach die Miete.
  • Genetische Einflüsse: Oder schlicht weil man mehr Bock auf eine Sache hat.

Auch die ganzen Fashion Blogs die Kraftclub besingt (und die keiner braucht) werden wieder verschwinden. Deren Autoren werden daraus (hoffentlich) Erfahrungen gezogen haben, die sie weiterverwenden. Das ist natürliches Element einer natürlichen Auswahl ihres eigenen Projektes im großen Markt. Und das eigentlich auch ganz ok.

So schließt sich der Kreislauf wieder: Projekte kämpfen natürlich nicht nur bei den initiierenden Menschen ums überleben, sondern später natürlich auch auf dem Markt.

Regeln für das eigene Überleben

Man sollte sich emotional nicht zu sehr auf einzelne Projekte versteifen. Die Chance, dass sich ein Projekt wirklich durchsetzt weil es z.B. im Projekte Pool von jemand anderem nicht überlebt, ist relativ hoch.

Wenn man sich auf wirkliche „Spaß Projekte“ einlässt, sollte einem auch klar sein warum. Vielleicht möchte man sich weiterbilden. Kann in dem Kontext ganz ungezwungen eine neue Programmiersprache oder ein neues Framework einsetzen. Man sollte zumindest eine These formulieren können, was man sich davon erhofft.

Jedes Projekt sollte zumindest irgendwie getrackt werden. Selbst bei einem Bier formulierte Projekte sollte man aufschreiben. Mindestens in einer Liste, noch besser natürlich in einem Kanban oder Trello.

Und dann einfach das machen, was einem Spaß macht. Am besten ruhig mal alleine loslegen und erst mal rumexperimentieren. Dadurch, dass etwas passiert, schafft man ja auch Anreize, die das eigene Projekte bei den anderen mit ihren eigenen vielen Projekten wieder attraktiver macht.

Das große Ganze

Was ich jetzt mit den Projekten beschrieben habe, trifft ja nicht nur auf mich zu sondern auf jeden! Jeder hat ganz viele kleine Projekte, von denen er selbst noch nicht weiß welches sich durchsetzt und die untereinander konkurieren. Der eine macht es bewusster, der andere unbewusster. Interaktionen mit anderen Menschen sorgen für neue Impulse und reichern diese Projekte an.

Man darf nur nicht alles auf eine Karte setzen. Die Ironie daran ist ja: Eben weil nicht nur man selbst so viele Projekte am laufen haben, sondern auch jeder andere, wird aus einem einzelnen Projekt selten das große Ding. Also mal rein quantitativ gesehen.

Dazu  kommt noch, dass jeder Angst hat, das nächste große Dinge zu verpassen. Jeder möchte eigentlich ständig was anderes machen, was einem (mehr) Spaß macht. Das ist ganz tief in uns einprogrammiert. Das ist der Kampf ums Überleben – nur heute nicht mehr in einer steinzeitlichen Höhle, sondern bei einem „Käffchen“.

(Auf dem Bild zu sehen ist übrigens der Blick vom sagenumwobenen St. Oberholz, Ursprung unzähliger Projekte in Berlin, auf den Rosenthaler Platz an einem fröstelnden Februar Nachmittag.)

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Veröffentlicht von Klaus Breyer

Hat Software Engineering studiert und 2010 die Social Media Agentur buddybrand mitgegründet. War dort bis 2015 als technischer Geschäftsführer / Chief Technology Officer verantwortlich für die Implementierung von Technologien und Innovationen im Marketing-Kosmos. Seit 2016 nun Mitgründer und CTO von BuzzBird, der #1 Plattfform für automatisiertes Influencer Marketing.

Immer auf der Suche nach Trends und technischen Herausforderung liegt der Fokus aktuell auf der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Engagements als Business Angel. Kann auch als Freelance CTO und Berater gebucht werden.

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