Das neue X für Y – über Startups, die Plattformen sein wollen.

20.12.2016:

Im Schnitt wird mir 1x wöchentlich eine Geschäftsidee gepitched. Entweder um mich im Team zu haben, um mich als Berater zu buchen oder einfach so – “müsste man doch mal” um Feedback zu bekommen.

Ein Muster, welches sich durch alle schlechten Ideen durchzieht: Wir werden das neue X für Y.

X steht meist für eine Plattform und Y für einen Markt, mit dem derjenige sich noch gar nicht richtig befasst hat.

Fiktives Beispiel: „Wir werden das neue Uber für Delivery-Dienstleistungen!“

Mal abgesehen davon, dass nicht mal Uber profitabel ist, hört sich das alles erstmal vor allem harmlos ambitioniert an. Doch schauen wir uns es mal im Detail an.

Plattform Mechaniken

Eine Plattform wird für mich dadurch definiert, dass verschiedene Parteien zusammenkommen, die jeweils unterschiedliche Interessen verfolgen. Üblicherweiße ist das eine Demand-Side und eine Seller-Side. Die Demand-Side hat einen Bedarf, für den sie Geld ausgeben möchte und die Seller-Side kann diesen Bedarf direkt oder indirekt decken.

Beispiel 1: Airbnb

Bei airbnb werden Menschen, die ihre Wohnung vermieten wollen (Seller-Side) mit Menschen, die eine Wohnung mieten wollen (Demand-Side) zusammengebracht und direkt verknüpft.

Das Unternehmen muss an beiden Seiten parallel wachsen und hat einen massiven initialen Aufwand die Plattform aufzubauen, weil immer zwei Ansichten auf das System nötig sind.

Beispiel 2: Instagram

Bei Instagram wird Unternehmen, die ihre Werbung platzieren wollen (Demand-Side) ein Inventar an App-Nutzern angeboten, welche durch die Nutzung einen Mehrwert in Form von hübschen Bildern haben und damit indirekt bezahlen.

Das Unternehmen baut  erst einmal ein Inventar auf, welches noch nicht direkt monetarisierbar ist. Es gibt den Usern ein Tool an die Hand, welches ein Problem für sie löst. Dann geht wird eine große Wette auf die Zukunft eingegangen, weil noch unklar ist, wie und ob das Inventar sich vermarkten lässt.

Plattform Produktentwicklung und Aktivierung

Das typische Henne-Ei-Problem: Damit potentielle Kunden auch Geld ausgeben können, muss auch immer ein gewisses Inventar vorhanden sein, welches gekauft werden kann. Das Unternehmen muss also zweigleisig arbeiten und denken.

Es benötigt nicht nur während der Produktentwicklung Experten für beide Parteien, sondern auch für die Aktivierung. Meist unterscheiden sich beide Parteien drastisch. Bei instagram sind das Fotografen als User und Media-Menschen als zahlender Kunde. Eine hippe mobile Plattform auf der einen Seite und ein technisch funktionales Interface um Werbeanzeiten zu Buchen auf der nderen seite.

Bei AirBnB ist die Käufer-Seite hauptsächlich SEO driven, da ihr Bedarf etwas zu mieten meist spontan kommt. Auf der anderen Seite müssen  Anbieter, die dauerhaft Einnahmen generieren möchten, dagegen erst einmal über die Existenz des Produktes aufgeklärt werden.

Auf die weiteren Netzwerkeffekte, die es benötigt, eine funktionierende Plattform aufzubauen, will ich dabei (heute) noch gar nicht eingeben.

Tipp für Erstgründer

Das sind alles keine unlösbaren Probleme. Hauptproblem ist vor allem der erhöhte Kapitalbedarf schon in einer frühen Phase des Unternehmens. Trotzdem muss ständig zwischen beiden Seiten priorisiert und abgewägt werden. Selten fühlt sich eine Lösung 100% richtig an. Na gut, aber wann tut sie das denn überhaupt schon mal?

Mein Tipp für Erstgründer: Löst ein einziges Problem für eine einzige Zielgruppe und lasst euch direkt dafür bezahlen. Das ein deutlich einfacheres Geschäftsmodell als Plattformen, zahlt sich viel kurzfristiger aus und ist angenehmer für die Nerven.

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2 Gedanken zu „Das neue X für Y – über Startups, die Plattformen sein wollen.“

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